Biografie von Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm, das einzige Kind des österreichischen Dirigenten Karl Böhm (1894–1981) und der deutschen Sopranistin Thea Linhard-Böhm (1903–1981), wurde 1928 in Darmstadt geboren, wo sein Vater als Generalmusikdirektor angestellt war. Böhm war österreichischer Staatsbürger,[1] fühlte sich aber als Weltbürger. 2003 erhielt er die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft.[2][3] Sein Vater war gebürtiger Grazer, seine Mutter Münchnerin. Er wohnte in Grödig bei Salzburg. Seine Jugend verbrachte er in Darmstadt, Hamburg und Dresden. In Hamburg besuchte er die Volksschule und das Kepler-Gymnasium. Ab 1940 war er in einem Internat in Kufstein; 1942 verhalf ihm ein gefälschtes ärztliches Attest zur Ausreise in die Schweiz, wo er das Internat Lyceum Alpinum Zuoz besuchte.[4] Später lebte er jahrelang im Vaterstettener Stadtteil Baldham, wo der Vater ein Haus besaß und seine Tochter Katharina Böhm noch heute wohnt. 1946 zog er mit seinen Eltern nach Graz, wo er im selben Jahr die Matura am Bundesrealgymnasium Keplerstraße abschloss. Er wollte ursprünglich Pianist werden. Beim Vorspielen hieß es seiner Biografie zufolge: „für den Sohn vom Böhm ist es ein bisschen dürftig“. Er studierte auf Drängen seines Vaters Anglistik und Germanistik, anschließend in Rom ein Semester Kunstgeschichte. Böhm brach das Studium ab, um bei Helmuth Krauss in Wien Schauspielunterricht zu nehmen. Von 1948 bis 1976 spielte er als erfolgreicher Schauspieler in etwa 45 Kinofilmen und auch im Theater. An der Seite von Romy Schneider verkörperte er in den drei Sissi-Filmen den jungen Kaiser Franz Joseph I. Dadurch war er als Schauspieler auf ein Genre festgelegt, dem er zu entfliehen versuchte. Seine internationale Karriere als Schauspieler wurde 1960 durch seine Darstellung eines Serienmörders in Michael Powells Augen der Angst unterbrochen, da Kritik und Publikum den Film wegen seines beklemmenden Inhalts ablehnten. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde der Film neu bewertet; er gilt unter Cineasten heute als einer der besten dieses Genres. Böhm hatte zuvor einen Vertrag mit der Hollywood-Firma MGM abgeschlossen, doch auch diese Zusammenarbeit erwies sich für seine Filmkarriere als nicht sehr fruchtbar. Die ihm dort angebotenen Rollen waren für ihn nicht befriedigend und die fünf Filme überwiegend keine großen Erfolge. Mitte der 1960er Jahre kehrte er enttäuscht nach Europa zurück. In den 1970er Jahren arbeitete er mit Rainer Werner Fassbinder. Dabei glänzte Böhm in dem Psychothriller Martha, der die Institution Ehe kritisch behandelt. Beeinflusst vom gesellschaftskritischen Impetus des Regisseurs begann Böhm sich mehr und mehr für die globalen Probleme zu interessieren. Karlheinz Böhm mit seiner Ehefrau Gudula Blau und Tochter Kristina Böhm, etwa 1959 Seiner ersten Ehe (1954–1957) mit der Flugbegleiterin Elisabeth Zonewa entstammt die Tochter Sissy Böhm (* 1955), deren Sohn Florian Böhm (* 1978) ebenfalls Schauspieler ist. In ihrer Autobiografie[5] erhebt Sissy Böhm den Vorwurf des Kindesmissbrauchs durch ihre Eltern.[6] Die Schauspielerin Kristina Böhm (* 1959) und zwei weitere Kinder (* 1960 und 1961) gingen aus Böhms zweiter Ehe (1958–1962) mit Gudula Blau hervor. Aus seiner dritten Ehe (1963–1980) mit Barbara Lass stammt die Schauspielerin Katharina Böhm (* 1964). Ab 1991 war er mit der aus Äthiopien stammenden Agrarexpertin Almaz Böhm verheiratet; dieser Ehe entstammen zwei Kinder (* 1990 und 1993). Böhm schuf zahlreiche musikalische Hörspiele für Kinder, mit denen er versuchte, ihnen die Lebensgeschichten großer Komponisten und klassische Musikstücke nahezubringen. 2008 erhielt das Europagymnasium Salzburg Nonntal anlässlich des 80. Geburtstages von Böhm den Namenszusatz „Karlheinz-Böhm-Gymnasium“.[7] Im Juni 2011 wurde Böhms Wirken zudem mit dem „Karl Platz“ und einer Skulptur im Diplomatenviertel von Addis Abeba in Äthiopien gewürdigt. Bei deren Einweihung war auch Bundespräsident a. D. Horst Köhler anwesend, der Böhm einen „stillen Revolutionär“ nannte. Grabstein Karlheinz Böhms auf dem Salzburger Kommunalfriedhof Er gehörte einer Münchner Freimaurerloge an.[8][9] Am 19. Februar 2013 wurde Böhms Alzheimererkrankung bekannt.[10] Karlheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren in Grödig.[11] Die Urne wurde in einem Ehrengrab der Stadt Salzburg auf dem Kommunalfriedhof in Erde aus Äthiopien beigesetzt.[12] Zuvor fand eine Trauerfeier in der Salzburger Residenz mit 400 Gästen statt.[13]